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Dienstag, 30. Oktober 2007

Volksaktie – Finanzierungswahn oder Luftschloss?

Seit einigen Tagen geistert es durch die Presse, mindestens seit die Bahn sich durch Streiks wieder in das Universum der Normalen katapultierte und auffiel. Mit Streik hat es allerdings wenig zu tun. Eher mit Volk, nämlich einer Art Leihgabe.

Warum dies? Mit den erhöhten Gehältern der Lokführer hat es nichts zu tun. Es ist der immer wieder verschobene Börsengang der Bahn, er soll endlich stattfinden. Die Regierung, Hauptanteilseigner der Bahn, will einmal wieder (re)finanzieren, und das mit Mitteln, die sie und der Finanzminister nicht bereit stellen muss. Praktisch, dieser Clou: die Volksaktie.
Die Volksaktie soll wie schon der Name sagt, das Volk, der Bürger erwerben und damit Finanzlöcher stopfen und Börseninvestitionen bei der Bahn sichern. So weit, so gut. Sowas gibt es anderswo auch und gab es. Die Beteiligung des Volkes am Eigentum.
Das Problem des Ganzen ist jedoch, den volkseigenen Anteilseigner sozusagen nicht-stimmberechtigt bei dieser Aktie zu machen. Und natürlich nicht über 49% des Aktienanteils kommen zu lassen. Und das per Bestimmung beim Kauf, das Aktienrecht sieht es nicht vor, diese Beschneidung.
Aktien kaufen und Mund halten, so stellen sich die Politiker es vor. Wie sonst auch.

Das Ganze, Geld vom Bürgern für „Staatsfirmen“ zu leihen, erinnert zudem fatal an eine Aktie einer anderen Gesellschaft, die an die Börse ging, dann aber den Kleininvestoren nur verrechnete Verluste hinhalten konnte. Oder an noch frühere Zeiten als sich der Staat zu Zwecken der Finanzierung des Kriegs (Kriegsanleihe) Geld „lieh“, Anleihen zeichnen ließ. Geld, das natürlich die Verleihenden niemals wieder sahen.

Bedenklich ist die Idee der Volksaktie, denn eine echte Aktie ist es dann nicht, weil Aktieninhaber ein Stimmrecht auf Aktionärsversammlungen haben und die Volksaktie nicht dazu berechtigt.
Es sieht so aus, also ob das Wort auch gut zu Ich-AG passt, hört sich wie Aktiengesellschft an, ist aber keine und bewirkt nichts. Also eine Art Volksverdummung, zum Melken der arglosen Bürger.

Selbst das Manager-Magazin hält nichts von der Idee und bezeichnet die Konzepte als absurd.
Die Süddeutsche Zeitung glaubt nicht daran, dass es überhaupt nur mit Kleinanlegern klappt, die Bahn an die Börse zu bringen. Und die Volksaktie erinnere Anleger zu sehr an den alten Flop mit den Aktien des großen deutschen Telefonanbieters Telekom.
Der Spiegel schreibt in seinem Wirtschaftsteil zum Börsenkandidat Bahn, dass es wohl noch länger dauern würde bis es wirklich Bahn AG an der Börse heißt. Die CDU glaubt nicht an einen schnellen Börsengang, die SPD weiß nicht so Recht, was sie will und muss erst auf dem Parteitag mit Hin-und-Her-Kompromissen Entscheidungen treffen. Aber vielleicht steigt ja Russland mit ins Bahngeschäft. Eine gute Zusammenarbeit zwischen russischen Firmen, russichen Politikern und deitschen Politikern gab es ja schon öfters und längerfristig mit erheblichem Vorteil.

Ich wäre vorsichtig wenn Politiker von Bürgerinnen und Bürgern Geld leihen wollen, ihnen aber gleichteitig Rechte daran vorenthält.
Ist ja fast wie ein Haustürgeschäft mit Drückern.
Zum Glück ist sich die Politikerriege noch nicht einig. Es kann also sein, dass diese Volksaktie Bahn zum Luftschloss wird.


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