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Donnerstag, 18. September 2008

Werte statt Fegefeuer – Austrokatholizismus im neo-gesellschaftlichem Gewande

So manche österreichische Christen wissen den rechten „versöhnlichen“ Weg aus dem homosexuellen Dilemma, der Euthanasie, der schlechten Demokratie, der Weg zum Beten in Massen und zum Glauben in der Politik. Zu einer Verantwortung in der Gesellschaft!?

Im Bereich Sexualität wissen sie, warum der Homosexuelle keine Treue kennt oder gar unglücklich ist – und dass er heilbar ist.
Und warum Euthanasie böse ist.
Warum Ungeborene schon eine Würde besitzen und Abtreibung zu tiefst verwerflich ist.
Warum Ehe und Familie unabdingbar zur Mutter gehören.
Warum christliche Familien die Gesellschaft retten.
Warum Ärzte für das Leben entdecken, dass man Rechte von Sklaven, Juden, Frauen und Indianern mit Rechten von Ungeborenen und Schwangeren (ProLife-Bewegung) vergleichen kann, wenn es dem politischen und gesellschaftlichen Kalkül nutzt.
Warum die Ermordung behinderter Menschen in der NS-Diktatur für die Verteidigung der Menschenwürde herhalten muss.
Warum Rassenhygiene einiges mit Pränataldiagnostik zu tun hat.

Merkwürdige Seiten. Rechtskonservativ mit aufklärenden Gedanken und Informationen. Neoliberalkonservativ, nenne ich das. Ist das die Modernisierung des politischen Katholizimus in Österreich? Nein, nur der Zusammenschluss aus allen möglichen merkwürdigen christlichen Kirchen und Gruppierungen nebst befreundeten Parteien. Im Schwinden des Glaubens finden sich sogar früher verfeindete Gruppierungen diverser christlichen Richtungen und Abspaltungen zusammen. Hauptsache eine politische Plattform. Christentum als Bollwerk gegen … (Nein!, den Kommunismus gibt es nicht mehr) Werte- und Normenverfall jeglicher Art.

Dass solche christlichen Wege der Versöhnung und deren Werte allerdings nur für bestimmte Menschen gelten, lässt sich zwischen den Zeilen lesen.

Früher entschieden die Kirchen über Tod, Qualen und Verdammnis, heute setzt sie sich für das Leben ein? Nein, Kirchen als Organisation und Hüter der Moral und des Glaubens handeln nur für sich selbst. Denn das Heranbringen von alten Werten in einer angeblich wertelosen Gesellschaft an die Menschen ist auch eine Möglichkeit der Einflussnahme. Indoktrination nannte eien das bei uns jedenfalls zu Zeiten des Ostblocks noch. Heute wohl heißt das neudeutsch: Wertevermittlung.

Seltsam, dass sich Kirchen anmaßen, fast messianisch, Bringer von Werten zu sein. Sie haben als Organisation und als einzelne mit ihren Priestern jahrhundertelang bis zum Ende des Dritten Reiches ohne Not Werte erzwungen, verteidigt, die Menschen jeglichem Alters versklavten oder ausbeuteten, sexuell demütigten und als hörige, verängstigte Lustpuppen benutzten, die Millionen von Menschen den Tod brachten, aus Machtgier, Rassenhass, Antisemitismus, sexueller Perversion, Xenophobie und sonstigen politsch motivierten Abneigungen gegen Menschen.
Und auf einmal gibt sich Kirche demokratisch? Wohl nur, um wieder den politischen und finanziellen Machteinfluss zu haben, der ihr in den früheren Jahrhunderten früher durch die jetzige Demokratie genommen wurde.

Ein reinigendes Feuer der Erkenntnis, eine Wandlung, haben die christlichen Kirchen nicht durchgemacht. Wie sollten sie auch? Heute reicht eine Entschuldigung des Papstes und anderer christlicher Würdenträger nebst Gottesdienst und Pressemitteilung, ab und an ein KZ-Besuch mit christlicher Reue, um millionenfaches Töten zu rechtfertigen und hinwegzuwischen, eine Art Selbstvergebung. Ja, »… vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.« möchte eine da denken, wäre sie nicht selbst die Geschundene. Aber die Kirchen wussten schon immer, was sie taten und warum, denn Geld, Moral, Macht waren und sind gern gesehene Verwandte im Vatikan und auch den evangelischen Wirkungsstätten.

Die Organisation Kirche sollte in einer Demokratie keinen dermaßen vom Staat und Steuerzahler geförderten Machteinfluss haben. Das ist falsch verstandene Glaubensfreiheit und fördert nur eine Schattengesellschaft von fanatisierten Gläubigen.

Glauben sollte und darf keinen schädigenden und manipuativen Einfluss auf eine Gesellschaft und Einzelne haben.


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